„Design Thinking, das ist doch das mit den guten Ideen.“ Dieser Satz begegnet uns oft in Gesprächen und zu Beginn von Projekten. Und auch, wenn da Etwas dran ist, ist es nur die halbe Wahrheit. Im Folgenden lege ich 4 Grundsätze dar, die bei der Ideenentwicklung mit Design Thinking essentiell sind.

 

Erst das Problem, dann die Lösung!

Beim Design Thinking geht es in erster Linie nicht um die Ideen, sondern darum, ein relevantes Problem zu identifizieren und einen echten Mehrwert für den Menschen zu gestalten. Daher sprechen wir von einem Problem- und einem Lösungsraum: Bevor wir kreativ werden und gemeinsam im Team Ideen entwickeln, müssen wir zunächst ein Problemverständnis erlangen und in die Welt unserer Nutzer eintauchen. Design Thinking fragt nach dem Warum und konzentriert sich darauf, die richtigen Fragen zu stellen – anstatt direkt eine Lösung zu entwickeln. Indem wir bewusst den Problemkontext hinterfragen und neugierig die Lebens- und Arbeitswelt unserer Nutzer erkunden, öffnen wir uns und fördern so das Potential für neue Möglichkeiten, anstatt nur aus altbekannten Optionen zu wählen.

 

Mehr als Rahmenbedingung: Räume & Teams

Kreativität und Ideen brauchen Freiräume. Im Design Thinking sprechen wir von mentalen und physischen Kreativräumen. Räume, in denen es kein „gut“ oder „schlecht“, kein „richtig“ oder „falsch“ gibt, sondern nur Möglichkeiten, die hinsichtlich ihres Potentials abgeklopft werden. Hierfür brauchen wir eine innovationsfördernde Umgebung, in der ausprobiert und experimentiert wird, in der Fehler gemacht und gelernt werden darf – und in der jede Feedbackrunde als Chance für eine schnellere Optimierung und Weiterentwicklung der Ideen gewertet wird. Dabei vertrauen wir auf die kollektive Kreativität von interdisziplinären Teams, anstatt auf One-Man-Shows und erschaffen in physischen Kreativräumen die bestmögliche Umgebung. Eine Umgebung, die inspiriert und zu einem Arbeiten mit  unkonventionellen Denkansätzen animiert.

 

Denken mit den Händen

Im Design Thinking wird das Bauen von Prototypen als Möglichkeit gesehen, seine Ideen so schnell wie möglich greifbar und konkret zu machen, sodass im Team ein einheitliches Verständnis über verschiedene Lösungsansätze entsteht und dadurch leichter aufeinander aufgebaut werden kann. Außerdem können so Ideen schnell mit dem Nutzer getestet werden, sodass wir sie optimieren und schärfen können. Mit den Händen denken und machen, ausprobieren und experimentieren – anstatt lange an einem vermeintlichen Masterplan zu tüfteln, der größtenteils auf Annahmen basiert. Dabei gilt: Ideen dürfen unfertig sein und Gedanken werden so schnell wie möglich vom Kopf aufs Papier und in die Realität überführt.

 

Ideen managen heißt, Räume eröffnen

Teams tendieren dazu, Ideen für den Chef zu entwickeln und hübsch auf glänzenden Powerpoint-Slides zu präsentieren, anstatt sich darauf zu konzentrieren, ein Produkt mit Mehrwert für den Kunden zu kreieren. Diese Denkweise wird im Design Thinking aufgebrochen. Denn ob eine Idee einen Mehrwert hat, entscheidet nicht die nächste Hierarchiestufe, sondern die Menschen, für die wir etwas gestalten. Natürlich ist dafür ein anderes Verständnis von Führung erforderlich: Eine Führungskraft muss den Teams vertrauen und sie dazu ermutigen, Bestehendes zu hinterfragen und die Komfortzone zu verlassen, um ernsthaft den Menschen in den Fokus zu rücken und dadurch Neues zu ergründen. Und was für Führungskräfte im Speziellen gilt, gilt auch für alle weiteren in den Prozess involvierten Stakeholder. Daher bringen wir im Rahmen unserer Projekte zu Beginn alle relevanten Beteiligten zusammen, um Hürden im Entwicklungsprozess direkt von Beginn an auszuräumen.